„Am Wanter wiist d´Brout“ lautet das Motto, welches uns durch das gesamte Schuljahr hindurch begleiten wird. Dieser Satz erscheint einem auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen unlogisch zu sein, weil man weiß das Brot nicht wie verschiedene Früchte auf den Bäumen wächst und es Brot nicht nur im kalten Winter zu kaufen gibt. Daher ist der Satz nicht wortwörtlich zu nehmen und wir müssen die Wörter näher betrachten.

 

1.     Winter

 

Der Winter stellt für viele Menschen die unbeliebteste Jahreszeit dar. Es ist kalt und dunkel, die Nächte sind lang, die Natur stirbt ab, manche Tiere verabschieden sich in den Winterschlaf und eigentlich freut man sich nur auf den Winter wenn es schneit und man die schneebedeckten Felder bestaunen kann.

 

Eine kluge Beobachterin unserer Zeit hat gemeint: „Wenn ich versuche zu sagen, wie ich die Zeit empfinde, so komme ich von einem Bild nicht los: Wir gehen einer Eiszeit entgegen. Es wird immer kälter. Wir leben nicht nur einer vorrückenden Eiszeit, wir produzieren sie auch und erhalten sie aufrecht.“ Die Welt befindet sich momentan unumstritten in einer Krisenzeit, nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch auf der sozialen Ebene: Individualismus und Egozentrismus sind Schlagwörter, welche das Verhalten des Menschen in den letzten Jahrzehnten beschreiben. Dort wo der Mensch aber alleine ist wird es dunkel für ihn, weil Menschen immer auf Beziehungen mit anderen Menschen angewiesen sind und sie in allen Lebensbereichen andere Menschen brauchen; wenn da niemand mehr ist, der ja sagt zu ihm, kann das Leben-Wollen sehr schwer und sogar zu schwer werden.

 

 

 

2.     Brot

 

Brot ist für die Menschen auf der gesamten Welt ein wichtiges Nahrungsmittel. Brot ist ein aus einem aufgelockerten Teig, hauptsächlich bestehend aus Mehl, Wasser und etwas Salz, durch Erhitzung bereitetes Nahrungsmittel. Das Brot ist ein Grundnahrungsmittel, da es für die Menschen über 50% der benötigten Nahrungsenergie und darüber hinaus einen erheblichen Teil der essentiellen Nährstoffe liefert , besonders die wichtigen Vitamine A, B und E..

 

1959 wurde die diakonische Arbeitsgemeinschaft „Brot für die Welt“ gegründet, welche sich mit Spendenmitteln für die Verbesserung der Lebensbedingungen notleidender Bevölkerungsschichten in der „Dritten Welt“, und zwar ohne Ansehen ihrer Religion, Nationalität, Rasse und Weltanschauung, einsetzt. Diese Aktion weist darauf hin, dass jeder Mensch das Recht auf Leben hat. „Brot“ steht dabei stellvertretend für alles was der Mensch zum Leben braucht, aber es steht nicht nur für die materiellen Güter, sondern auch für das Bewusstsein vom Wert des Menschen, seines Lebens, auch gegen die Erfahrungen der Gleichgültigkeit oder gar Ablehnung durch andere Menschen durchzuhalten.

 

 

 

3.     „Brot sein“

 

Brot wächst nicht einfach auf Bäumen, sondern Brot ist die Frucht des Feldes und der menschlichen Arbeit. Der Bauer erntet das Getreide, welches verarbeitet wird, beim Bäcker in der Form des Mehles ankommt, aus welchem er dann Brot backt. Brot wird nicht einfach, sondern Brot wird gemacht.

 

Mutter Teresa schildert uns folgende Begebenheit: „Eines Abends haben wir auf der Straße vier Leute aufgelesen. Die eine Frau war in einer sehr schlimmen Verfassung. Ich sagte zu den Schwestern: „Kümmert Ihr euch um die anderen drei. Ich kümmere mich um die Frau, um die es am schlechtesten steht.“ Ich schenke ihr all meine Liebe und brachte sie ins Bett. Auf ihrem Gesicht lag ein schönes Lächeln. Sie hielt meine Hand und sagte nur ein Wort „Danke“. Dann starb sie.“

 

In diesem Moment wurde Mutter Teresa für die Frau zum „Brot“, weil sie „Ja“ sagte zu ihr, sie sich trotz der Krankheit für sie interessierte und sie zeigte, dass sie von bedeutendem Wert ist, dass sie so angenommen wird, wie sie ist, indem sie ihr alles gab was sie brauchte. Der Mensch hat nicht die Macht, sich allein und selbst überzeugend einzureden: Es ist gut, dass es mich gibt; ich soll leben und will darum leben; mein Ja-Wort zu mir genügt mir als Grund für mein Leben und gibt mir Lebenssinn. Das Ja-Wort des Menschen zu sich selbst ist nicht so stark, dass es alle Zweifel ausräumen könnte, ob es gut ist zu leben.

 

Doch auch das eigene Ja-Sagen zum anderen, vermittelt nicht weniger tiefgreifende Erfahrungen: da ist nun jemand, der sich auf mein Ja-Sagen verlässt; der merkt, dass er wertvoll ist, weil ich ihm zeige, dass er für mich gut und bedeutsam ist, der von mir angenommen ist als Mensch.

 

„Menschen sind große Kinder. Ihr Leben lang sind sie auf der Suche nach Wärme, nach Liebe und ein bisschen Glück. Auf der Suche nach einem Zuhause. Auf der Suche nach einem, der sie gern hat, bei dem sie sich sicher fühlen, bei dem sie Geborgenheit finden. Menschen suchen ihr Leben lang auf vielen Wegen, Umwegen und Irrwegen einen festen Ort, einen Heimathafen, einen Tisch und Brot und Wein, ein Herz und eine sanfte Hand, eine stille Gegenwart, die bleibt, auch wenn die Worte verstummen.“ (Phil Bosmans) Dort wo wir in die Dunkelheit der Menschen eintreten, sie ernstnehmen, sie unterstützen und ihnen beistehen wächst das Brot. In diesen erlebten Winter können wir Wärme bringen. Und dort wo wir Angst haben, können wir Brot empfangen und andere Menschen erhellen uns den Weg.

 

Dieses Schuljahr wollen wir besonders darüber nachdenken, wo jeder Einzelne von uns zum Brot werden kann und in welchen Situationen ein jeder von uns schon Brot empfangen hat.
 

Sacha André